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Gut ist was im Herzen Click macht

Merlischacher „Schaffarm Gütsch“ – Neuausrichtung gut angelaufen

Noch vor zwei Jahren grasten über 200 Schafe rund um die Farm im Gütsch oberhalb Merlischachen. Inzwischen musste das Besitzer-Ehepaar Georg und Irene Schmidt die Schafhaltung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Mit einer Tierpension mit Familienanschluss lançierten sie einen Neuerfolg.

Von Dominique Goggin

Bald sind es 14 Jahre her, dass Georg und Irene Schmidt ihre Druckerei in Zürich verkauft und in den Kanton Schwyz gezogen waren. Der Gütsch oberhalb Merlischachen eignete sich perfekt für ihre Schafhaltung. Das Hobby bekam Methode, Georg Schmidt begann Engadiner Schafe, Projekt der Pro Specie Rara und im 2000 als Schweizer Pionier schottische Border Leicester-Schafe zu züchten. Letztes Jahr nach zwei langen Spitalaufenthalten musste er die Landwirtschaft sukzessiv aufgeben. Willensstark überwand der Mann den Schicksalsschlag - Schmidts gingen ans Zukunftspläneschmieden. Die Idee, ihre jetzt leerstehende Remise mit stupender See- und Berg-Sicht in Ferienwohnungen umzubauen liess sich nicht realisieren. So errichteten die beiden Tierfreunde eine kleine Hundepension mit Familienanschluss. Auf Wunsch gibt es auch Unterricht; Georg Schmidt hatte schon früher Hunde zu Schafhütern ausgebildet. Jetzt diszipliniert er Tiere die an der Leine reissen oder dem Rückruf des Meisters nicht gehorchen. Andern bringt er bei wie man eine Fährte aufnimmt. Immer wieder kommen mitleidige Menschen mit herrenlosen Tieren aus den Auslands-Ferien nach Hause. Solchen Vierbeinern, die als Überlebenskünstler an Stränden oder in Elendsquartieren hausten, gewöhnt Schmidt mit viel Geduld ihre nervöse Unstetigkeit ab.

44-Stundenwoche im Büro

Ein Rudel Hunde kommt begeistert angerannt. Sie haben sich hier in den Ferien kennen gelernt, geniessen gemeinsam den grosszügigen Auslauf, Streicheleinheiten, Spaziergänge, feines Essen und das Übernachten im Saal wo sie ihre Körbe und Sofas auswählen dürfen. Ist es kein Risiko, verschiedenste Rassen, junge und alte Tiere miteinander umhertoben zu lassen? Irene Schmidt:„ Bei der ersten Ankunft schreiben wir einen Probeaufenthalt von drei Tagen und zwei Nächten vor. Viele unserer Pensionäre werden Einzeln gehalten, manche verbringen den ganzen Tag im Büro ihres berufstätigen Besitzers. Bei uns erleben sie eine Sozialisierung, Erlebnisferien.“ Bereits hat sich das „Kleinhotel Schmidt“ auch ausserregional einen guten Namen gemacht, die Leute bringen ihre Lieblinge aus den Kantonen St. Gallen, Raum Zürich, Bern, Basel und Tessin. Neu sind auch Katzen willkommen. Momentan tummeln sich zehn Büsis wahlweise im Freien und im Haus, entdecken die Kletterbäume oder pflegen süssen Nichtstun.

Swing, Cajun, Bluegrass

Bei Schmidts herrscht Gewaltentrennung: „Mein Mann führt die Tierpension, ich assistiere, erledige die Administration. Manchmal besorge ich das Einchecken neuer Gäste, wenn mein Mann nicht da ist.“ Irene Schmidts grosse Liebe gehört der Musik. Mit Stolz präsentiert sie den eigenen Konzertraum mit ca. 10o Plätzen und den davor liegenden Offenbereich. An der Wand hängen Farbfoto-Portraits von Country-Musikern. Viele sind Freunde geworden, deren Karriere sie verfolgt, die sie zum Spielen einlädt. Die Frau besucht selber gerne Konzerte in der Nähe, sei es das KKL oder das Zürcher Albisgüetli Country-Musik Festival. Manchmal wundert sich die Realistin über finanzielle Utopien: „Es gibt Fans, die denken das Albisguetli oder Gstaad könnten Leute wie George Straight oder Alan Jackson einfliegen.“ Für sie müssen nicht immer grosse Namen der Szene her: „Ich mag Musiker mit Ecken und Kanten. Eine Stimme muss nicht perfekt sein, aber muss gut herüberkommen, die Leute packen. Es muss im Herzen Click machen. Hier auf dem Gütsch ist es wichtig, dass die Musiker nach den Konzerten mit unsern Gästen sprechen, CD’s verkaufen und diese auch signieren. Country Musik ist schliesslich nur ein Oberbegriff von Swing, Cajun, Bluegrass, New Country etc. Schon mancher Country-Muffel, der sich von Bekannten hierher zu einem Konzert schleppen liess, ging als begeisterter Fan nach Hause zurück.“

Stammgast in Nashville

-go- Legenden wie Mungo Jerry und Grammy-Gewinner Mike Blakely sind auf der Schafffarm-Bühne gestanden. Der Kanadier Brian Sklar weltweit einer der besten Fiddler, war vergangen Sonntag inmitten seiner Frankreich-Tournee nach Merlischachen gekommen. Wie entstand diese Country-Musik-Hochburg über dem Vierwaldstättersee? Irene Schmidt: „Durch meine Tätigkeit als Musikjournalistin rund um die Country-Szene - über 20 Jahre immer in Nashville an der Fan Fair - habe ich viele Kontakte. Als wir frisch in Merlischachen eingezogen waren, spielte ein Freund im kleinen Rahmen vor der Waldhütte. Da ging mir durch den Kopf, dass es schön wäre, hier Konzerte durchzuführen. Das taten wir dann vom September 96 an regelmässig.“ (Webseiten: www.schaffarm.ch  www.tierpensionschmidt.ch